Wenn das Leben andere Pläne hat
- 2. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Das Leben meint es gut mit uns
Wenn ich als Kind gefragt wurde, was ich einmal werden möchte, hatte ich immer eine klare Antwort:
„Hebamme oder Säuglingsschwester.“
Einen anderen Beruf konnte ich mir gar nicht vorstellen.

Geburten waren für mich schon damals etwas ganz Besonderes – ein kleines Wunder.
Mich faszinierte, was der Körper einer Mutter leistet. Und wie aus diesem Moment plötzlich ein neues Leben entsteht.
Dieses kleine Wesen, noch so zerbrechlich – und doch schon so vollständig.
Und ich stellte mir vor, diesen Babys ganz viel Liebe zu geben. Für sie da zu sein. Für die Mütter, für die Familien.
Und wenn ich heute ehrlich bin – so eine OP-Kleidung hatte für mich damals auch etwas sehr Besonderes. 😊
Doch das Leben hatte andere Pläne.
Mit vierzehn Jahren erlitt ich eine schwere Augenverletzung. Zwei Operationen folgten. Danach stand fest: Für mehrere Jahre durfte ich keinen Sport treiben und mich körperlich nicht stark belasten.
Damit war mein Traumberuf plötzlich nicht mehr möglich. Weder Hebamme noch Säuglings- oder Krankenschwester kamen noch in Frage.
Die Alternative war die Handelsakademie und später ein kaufmännischer Beruf – ziemlich weit entfernt von meiner ursprünglichen Vorstellung, mit Menschen und besonders mit Babys zu arbeiten.
Damals konnte ich nicht verstehen, warum das Leben diesen Weg für mich vorgesehen hatte.
Heute sehe ich es anders.
Mitgefühl und Herzlichkeit brauchen keinen bestimmten Beruf. Sie finden ihren Platz überall – in Begegnungen, in Gesprächen, im Alltag.
Und ich habe im Laufe meines Lebens auch etwas über mich selbst gelernt.
Als junge Frau hätte ich wahrscheinlich vieles zu sehr an mich herangelassen. Das Leid anderer Menschen hätte mich tief getroffen. Abgrenzung war für mich lange ein Thema.
Begeisterung und Liebe sind wunderbare Eigenschaften – aber manchmal braucht es auch Lebenserfahrung, um wirklich begleiten zu können.
Und genau darin liegt vielleicht eine leise Wahrheit des Lebens:
Sehr viele Träume erfüllen sich.
Nur oft später – und in einer ganz anderen Form, als wir es uns vorgestellt haben.
Wie zum Beispiel bei mir:
Vor drei Jahren habe ich eine Ausbildung zur ehrenamtlichen Hospizbegleiterin gemacht.
Heute darf ich Menschen auf ihrem letzten Weg begleiten – mit Mitgefühl, mit Herzlichkeit und mit der Erfahrung meines eigenen Lebens.
Auch das ist eine Art Übergang.
Nur diesmal lautet die leise Frage nicht mehr:
„Woher kommst du?“
Sondern:
„Wohin gehst du?“
Und manchmal schenkt das Leben sogar kleine, stille, manchmal humorvolle Überraschungen.
Während meines Praktikums im Krankenhaus durfte ich eine OP-Kleidung tragen.
Fünfzig Jahre später.
Vielleicht erfüllt das Leben unsere Träume manchmal anders, als wir es uns vorgestellt haben, oft auch unerwartet – aber immer schön.
Und -
manchmal führt uns das Leben gerade auf Umwegen dorthin,
wo wir wirklich gebraucht werden.
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