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Wenn das Herz ruft- und der Verstand protestiert

  • 1. Juni
  • 12 Min. Lesezeit



Eine Geschichte über Intuition, Mut und einen Traum mit Delfinen


Heute erzähle ich dir eine Geschichte aus meinem Leben, die vieles verändert hat.

Ein Erlebnis – eigentlich mehrere – das mein bisheriges Denken auf den Kopf stellte.


Es war wohl kein Zufall. Eher war es eine Einladung des Lebens.


Alles begann damit, dass der Betrieb, in dem ich seit drei Jahren arbeitete, seine Buchhaltung auslagerte – und ich zum zweiten Mal arbeitslos wurde.

Da ich nicht sofort eine neue Anstellung fand, wurde ich vom AMS zu einer sechsmonatigen Eingliederungsschulung für Wiedereinsteigerinnen angemeldet.

Ganz ehrlich?

Ich war alles andere als begeistert.

Mit 56 Jahren, mit meiner Erfahrung – wieder „die Schulbank drücken“?


Doch rückblickend war genau das wichtig für meinen Selbstwert. Ich merkte, dass ich auch

am PC wirklich gut war (lernte sogar meine eigene Website zu erstellen). Und vor allem stellte ich fest, dass ich – obwohl ich die Älteste in der Gruppe war – die optimistischste war.

Während viele junge Frauen voller Zweifel in die Zukunft blickten, war ich mir sicher:

“Da draußen wartet noch so vieles auf mich.”


In dieser Schulung ging es unter anderem um Bewerbungsschreiben. Vier Vortragende erklärten uns, worauf es angeblich ankommt, so zB:

  • Wo genau das Datum platziert werden muss.

  • Die Schriftart war anscheinend auch sehr wichtig.

  • Das Anführen sämtliche Ausbildungen incl. Datum.

  • Diverse No-Gos usw.


Alles rein sachliche und formelle Dinge. Jede sah es etwas anders und doch waren sie von ihrer Sichtweise überzeugt. Ich empfand das als eigenartig. Soll wirklich an solchen Formalitäten der Wert eines Menschen gemessen werden?


Dann kam der fünfte Vortragende.

Er war anders. Lebendig. Klar.

Er sagte: „Vergesst vieles von dem, was ihr gehört habt.

Es geht nicht um die perfekte Form – sondern um den Inhalt. Und der muss von Herzen kommen.“

Diese Worte entsprachen viel mehr meiner Vorstellung.


Etwa zur gleichen Zeit fiel mir ein Folder in die Hände: 

„Ziele finden und erreichen“ – ein Wochenendseminar für Orientierungssuchende.


Ich meldete mich spontan an. Vielleicht sollte ich ja doch etwas ganz anderes machen als bisher? Vielleicht finde ich bei diesem Seminar was neues?

Freitag und Samstag waren gut. Die Seminarleiter waren volle nette Menschen, fröhlich und inspirierend.

Es entstand auch ein feines Miteinander innerhalb der Gruppe - aber es war bis Samstag Abend nicht außergewöhnlich.

Doch am Sonntag geschah etwas, das ich nicht erklären kann.


Wir sollten zeichnen, was uns Freude macht.

Auf mein Blatt malte ich einen Regenbogen, die Sonne, Berge, symbolisch meine Familie, noch zwei, drei Symbole für meine beruflichen Wünsche … und einen Delfin (einfach weil ich diese Tiere liebe).

Anschließend erklärte jede Teilnehmerin der Gruppe, was die Motive für sie bedeuteten. Bei der nächsten Arbeits-Runde sollten wir uns für ein Motiv entscheiden. Keine Ahnung warum, doch mein Blick ging immer wieder zum Delfin. Wir arbeiteten dann in Zweiergesprächen und in der Gruppen weiter, die Stimmung wurde immer lebendiger, und als das Seminar zu Ende war, wusste ich plötzlich mit absoluter Klarheit:


Ich werde für drei Monate zu Delfinen gehen.

Woher die drei Monate kamen? Keine Ahnung.


Mein Kopf sagte sofort:

"Du bist verrückt. Das machst du nie.

Du kannst deinen Mann nicht drei Monate alleine lassen.

Du bist arbeitslos – das ist kein Zeitpunkt für Träume.

Und überhaupt – in deinem Alter?"


Doch mein Herz sagte ruhig und überzeugt.

"Du machst das. Das ist dein Traum."


Ich erinnere mich noch an die Heimfahrt. Ich war glücklich. Strahlend. Außer mir vor Freude.

Ich war froh, allein im Auto zu sitzen – niemand hätte mein Lachen, mein Strahlen verstanden.



Die Workshopleiter forderten uns zum Abschluss auf: „Geht sofort ins Tun.“

Also suchte ich am nächsten Tag im Internet nach Möglichkeiten mit Delfinen zu arbeiten.


Und gleich auf der ersten Seite las ich:

„Delfintherapie – Praktikantin für drei Monate gesucht.“

Drei Monate. Genau wie in meinem inneren Bild.

Mein Herz begann zu klopfen.

Was “passiert” denn da grad?


Am darauffolgenden Tag ging es bei der Schulung nochmals um das Thema Bewerbung. Wieder mit dem speziellen Vortragenden.

Er sprach so lebendig, so ansteckend und motivierend und meinte: 

„Schreibt nicht eure Titel. Schreibt über eure Stärken. Eure Wünsche. Eure Persönlichkeit.“


Und plötzlich stand da vor meinem inneren Auge eine Überschrift:

„Oma als Praktikantin“


Ich musste lachen (leise in mich hinein).

Gesucht waren Studentinnen der Psychologie, Medizin oder Physiotherapie, angehende Therapeutinnen. 

Und ich? Eine Büroangestellte, Buchhalterin, eine 51-jährige Oma.

Doch ich schrieb.

Ich schrieb die verrückteste Bewerbung ever.

Ich schrieb von meiner Lebensfreude

von meiner Lebenserfahrung

von meiner Liebe zu Menschen und zum Leben

von meinem Wunsch, drei Monate im Team mitzuarbeiten.

Ich schrieb ohne Strategie. Ohne Verstellen. Dafür aus dem Herzen.


Als ich die Bewerbung am Abend abschickte, war ich aufgeregt und ruhig zugleich.

Es fühlte sich überhaupt nicht mehr verrückt an, sondern einfach nur gut und schön.


Zwei Tage später kam dann eine herzliche Antwort.

Für diese Saison war ich leider knapp zu spät. Sie würden mich jedoch gerne kennen lernen, und ich sollte mich doch im Winter für das kommende Jahr bewerbe. Ein Platz im Team

wäre schon für mich reserviert.


Ich war überwältigt.


Ich hatte

  • auf mein Herz gehört

  • den ersten Schritt gemacht

  • mich nicht von Zweifeln aufhalten lassen

und dann diese wunderschöne Nachricht.


Diese Zusage behielt ich einige Tage für mich – wie ein kleines Geheimnis.

Ein Traum, der in mir wachsen durfte.

Erst als ich innerlich ganz ruhig war, erzählte ich meinem Mann von meinem Traum, von meiner Bewerbung, von der wundervollen Antwort, und dass ich im nächsten Jahr für drei Monate in der Türkei als Praktikantin bei der Delfintherapie mitarbeiten werde.

Er war völlig überrascht. Sprachlos. Konnte sich weder vorstellen, dass ich drei Monate weg

war von zuhause, noch dass dies wirklich klappen könnte. Doch als mein Mann meine Begeisterung, die Tränen in meinen Augen sah, erkannte er:

Es war wirklich ein so großer Herzenswunsch von mir - ein Traum, der wahr wird.




Was ich damals gelernt habe:


Manche Umwege sind gar keine Umwege.

Meine Arbeitslosigkeit.

Ein Kurs, den ich nicht besuchen wollte.

Ein Workshop ohne große Erwartungen.

All das führte zu meinem Traum.



Heute weiß ich:


Manchmal ruft das Leben leise.

Und manchmal sehr deutlich.


Und wenn wir den Mut haben, diesem Ruf zu folgen, zu vertrauen,

öffnet sich eine Tür, die wir mit dem Verstand nie gefunden hätten.




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Träume nicht dein Leben - sondern lebe deinen Traum



Das Leben, der Alltag ging nach dieser Aufregung wieder normal weiter.

Die Schulung war mit Mai zu Ende, auch über den Sommer gab es keine neue Stelle für mich.

Doch dann, im September war ein Bürostelle in einem Restaurant ausgeschrieben und ich

wurde tatsächlich mit Oktober eingestellt. Einerseits war ich natürlich dankbar und auch froh.

Doch zugleich bin ich erschrocken, denn was würde aus meiner Reise in die Türkei?


Ich arbeitete mich relativ schnell ein und fühlte mich auch bald wohl in diesem Betrieb, mit meinen ArbeitskollegInnen und mit meiner Bürostelle.

Und dann kam der Dezember.

Was sollte ich machen? Sollte ich mich wirklich für die Stelle als Praktikantin nochmals bewerben?

Dann müsste ich ja den neuen Job kündigen. Und was wäre nach den drei Monaten?

Viele Fragen gab`s da in meinem Kopf, doch das Herz sagte immer noch - “Tu`s! Bewirb dich!”






So schickte ich erneut meine Bewerbung ab und Anfang Jänner kam dann die klare Antwort.

“Herzlich Willkommen in unserem Team, wir alle freuen uns schon auf sie. Sie entscheiden welchen

Termin sie bevorzugen, April - Juni oder Juli - September?”


Es war ein echtes Gefühlchaos für mich.

Was soll ich nun machen?

Womit anfangen?


Wieder behielt ich sowohl die Bewerbung als auch die Antwort für mich, auch wenn es mir schwer fiel.

Doch ich wusste, ich musste das alles alleine organisieren und durfte mich nicht von anderen verunsichern lassen. Ich hatte tatsächlich Angst irgendjemand könnte mich beeinflussen, mir ein schlechtes Gewissen einreden und mich so doch umstimmen.


Was dann geschah nenne ich einfach “Fügung”.


Ich entschied mich für den ersten Termin.


Nun fragte ich meine Vorgängerin im Büro - sie arbeitete über den Winter in einer Saisonstelle und hatte mit April Saisonende - ob sie vielleicht drei Monate ins Büro zurück kommen möchte um mich zu vertreten. Nach zwei Tagen Bedenkzeit sagte sie mir zu.


Als nächstes musste ich noch mit meinem Chef reden. Wie würde er wohl reagieren? Ich berichtete ihm von meinem Traum und der Zusage, und dass mich Manuela im Büro während der drei Monate gerne vertreten würde, wenn er das OK dafür gäbe. Und zu meiner großen Überraschung freute er sich volle für mich. Er meinte, dass ich so eine Chance unbedingt nützen müsste. Es war auch selbstverständlich für ihn, dass ich danach bei ihm weiter arbeite.


Und dann kam meine größte Herausforderung - meine Familie. Wie gesagt, ich habe mit niemandem über mein Vorhaben gesprochen und nun war es soweit. Sie waren natürlich dementsprechend überrascht und konnten es kaum glauben. Vor allem, dass ich so lange

und so weit von zuhause weg sein wollte - wo ich doch fast immer daheim war. Und auch,

dass ich schon alles organisiert habe, und dass sogar mein Chef es für super hielt ...

all dies war für sie unglaublich. Die fast erwachsenen Kinder freuten sich, dass ihre Mama

doch noch so mutig war ... und auch mein Mann verstand schlussendlich, wie wichtig es für mich war, diesem Traum zu folgen.


Drei Monate später war es soweit - mein Traum sollte wahr werden.



Fazit:


Lass dich von nichts und niemanden aufhalten, deine Träume zu verwirklichen.


Denn -

Alle Träume können wahr werden,

wenn wir den Mut haben ihnen zu folgen. (Walt Disney)


und -

Wunder beginnen dann,

wenn wir unseren Träumen mehr Energie geben

als unseren Ängsten und Zweifeln.




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Mein Traum wird wahr




Ende April war es so weit.


Mein Mann brachte mich zum Flughafen. Wir warteten gemeinsam auf das Einchecken, ohne viel zu sagen. Abschiednehmen fällt mir generell schwer. Erst recht dieses Mal. Für drei Monate. So lange waren wir noch nie getrennt gewesen. Ich kämpfte mit den Tränen.

Und in mir kämpften auch Vorfreude und Zweifel miteinander. Mein Herz schlug bis zum Hals.

Ein Teil von mir wollte mutig sein.

Ein anderer fragte leise: Was tust du hier eigentlich?







Im Flugzeug wurde es stiller in mir. Über mir der blaue Himmel, unter mir weiße Wolken - meine Gedanken wurden ruhig. Es gab kein Zurück mehr. Mein Traum hatte begonnen.




Als ich in Marmaris ankam, war es bereits Abend. Ein türkischer Mitarbeiter des Therapie-zentrums holte mich ab. Freundlich, jedoch eher zurückhaltend. Ich spürte meine Müdigkeit und auch meine Nervosität. Morgen würde ich alles sehen. Morgen würde ich wissen, worauf ich mich eingelassen hatte.



Dann mein erster Tag.

Ich stand vor dem Eingang des Zentrums und spürte mein Herz heftig schlagen. Bereits auf dem Weg dorthin, auf der Spazierpromenade am Meer, fragte ich mich zum ersten Mal ernsthaft:

Was, wenn ich nicht hier her passe?


Axel, mein neuer Chef, kam mir mit einem offenen und auch etwas verschmitzten Lächeln entgegen. Bei seiner Begrüßung wurde mir auch klar warum: Nur er und seine Frau wussten, wer da wirklich anreiste.

Im Teamraum wurde es für einen kurzen Augenblick still.

Ein paar suchende Blicke.

Fragende Gesichter.

Verwirrung.

Ein leichtes Zögern.

Sie hatten wohl eine junge Studentin erwartet. Stattdessen stand ich vor ihnen – Mutter,

Oma, 57 Jahr, weiße Haare – mit klopfendem Herzen und dem Wunsch, dazuzugehören.

„Das geht ja gut los“, dachte ich.


Die meisten fanden nach der ersten Überraschung schnell zu ihrer Freundlichkeit zurück.

Ich wurde herumgeführt, bekam meinen Platz gezeigt, das Team unterhielt sich fröhlich in englischer Sprache.

Doch drei der türkischen Mitarbeiter blieben auf Abstand. Sie grüßten höflich, mehr nicht.

Es verunsicherte mich mehr und mehr. Harmonie ist mir wichtig. Ich fragte mich: Habe ich etwas falsch gemacht?

Erst einige Tage später erklärte mir Axel, dass man in der Türkei älteren Frauen mit besonderem Respekt begegnet – oft mit Zurückhaltung. Plötzlich bekam ihr Schweigen eine andere Bedeutung. Es war kein Desinteresse. Es war Achtung.

Eine völlig neue Erfahrung für mich - Achtung vor mir, einfach als Frau und Oma.

Mit diesem Wissen konnte ich offener auf sie zugehen. Und langsam, fast unmerklich, entstand ein warmes Miteinander.


Und schon kam die nächste Ernüchterung.

Die erste Woche war anders, als ich es mir erträumt hatte. Völlig anders. Statt Delfine warteten Ordner, Liste und Computer auf mich. Die Saison hatte gerade erst begonnen, die Familien würden erst im Laufe der nächsten Wochen anreisen.

Die Delfine sah bzw. hörte ich nur aus der Ferne - und ich saß im Büro.

Ich fühlte mich fremd, manchmal sogar ein wenig verloren.

Die anderen kannten sich seit Jahren.

Ich kannte niemanden, nur meinen Traum.


Doch nach einer Woche kam Marie.

Eine junge Psychologie-studentin aus Berlin – wach, klug, mit einem offenen Lachen. Wir sollten uns für drei Monate eine kleine Wohnung teilen. Eine Wohngemeinschaft. Für mich völliges Neuland.

Später erzählte sie mir lachend, wie sie erschrocken war, als sie mich, ihre neue Mitbewohnerin sah. Sie hatte wohl ebenfalls eine Jüngere erwartet.

Und doch – zwischen uns entstand vom ersten Moment an etwas Selbstverständliches, ja Herzliches. Vielleicht, weil wir beide wussten, dass wir hier nicht nur arbeiten, sondern Besonderes erleben würden.







Langsam wurden Marie und ich in die Arbeit mit den Familien eingeführt. Und dann begannen zweieinhalb Monate, die sich kaum in Worte fassen lassen.

Es waren 48 Familien, die wir begleiten durften.

Kinder und Jugendliche – und einige Erwachsene.

Unterschiedliche Länder, fremde Sprachen, unterschiedliche Diagnosen, unterschiedliche Geschichten.

Doch jeder Tag brachte neue Hoffnungen.

Neue Erlebnisse.

Neue Erfahrungen.

Und leise Wunder.

Es waren keine Wunder im spektakulären Sinn. Aber es waren so viele kleine “Bewegungen” und Begegnungen. Und manchmal sind es genau diese, die ein ganzes Leben verändern.


Ich merkte bald:

Ich war nicht hier, um Delfine zu erleben.

Ich war hier, um Menschen zu begegnen.


Jeden Tag freute ich mich auf die kleinen und großen Kämpfer. Kinder, die ihre eigene Welt hatten – die manchmal verschlossen, manchmal zerbrechlich, manchmal überraschend stark waren . Auf ihre Eltern und Begleiter, die ihr Bestes geben. Und auch auf vier Erwachsene, die ihr Leben trotz der großen Herausforderungen so bemerkenswert bewältigten.

Ich durfte sie alle vorbereiten auf die Begegnung mit den Delfinen.

Auf ihre Therapien.

Erklärte ihnen, was geschehen würde.

Fing ihre Nervosität auf.

Ermutigte sie und merkte dabei, dass auch ich mutiger wurde.


Ich gab ihnen Halt.

Ich kniete am Beckenrand.

Ich hörte zu.

Ich freute mich mit ihnen.

Manchmal weinten wir auch gemeinsam vor Berührung.







Ein junges, autistisches Mädchen saß am Beckenrand. Daisy, eine Delfindame, stand ihm gegenüber ca. einen Meter entfernt im Wasser. Beide bewegungslos. Vier Minuten lang. Kein Laut. Nur Blicke. Und ein leuchtendes Mädchengesicht. Es war, als würde zwischen ihnen etwas Unsichtbares fließen – und wir anderen standen still am Rand und wussten, dass wir Zeugen von etwas Besonderem waren.


Ein sehr zarter, mehrfachbehinderter, blinder Junge machte bei jeder Therapie so so begeistert mit - echt herzberührend.


Ein anderer Junge, der fast immer in seiner eigenen Welt blieb, sah mich eines Tages unvermittelt an – klar und wach. Er begrüßte mich auf seine ganz eigene Art und ließ mich für kurze Zeit rein, in seine Welt.


Ein Mädchen mit Down-Syndrom, das sich anfangs weigerte, auch nur einen Fuß ins Wasser

zu setzen, schwamm am Ende mit dem großen Delfin lachend durch echt bewegte Wellen.


Und jedes Mal, wenn eine Familie nach zwei Wochen Abschied nahm – oft mit Tränen in den Augen, aber Freude und Hoffnung im Herzen – wusste ich: Hier geschieht mehr als Therapie.



Auch im Team war etwas Besonderes spürbar. Menschen aus verschiedenen Ländern/ Kontinenten, mit unterschiedlichen Hintergründen, unterschiedlichen Wirkungsbereichen arbeiteten zusammen – vereint durch eine gemeinsame Haltung: Herzlichkeit, Respekt, Hingabe, Miteinander.

Dieses Miteinander trug die Familien.


Und es trug auch mich.

Denn irgendwann merkte ich:

Ich war nicht nur Begleiterin. Ich wurde selbst beschenkt.

Ich lernte, Dankbarkeit anzunehmen.

Komplimente nicht sofort zu relativieren, nicht wegzulächeln.

Mich mit meiner Herzlichkeit, meinen Gaben anzunehmen und zu schätzen.

Ich lernte, dass mein Alter kein Hindernis, sondern eine Kraftquelle ist.

Dass ich Menschen verbinden kann – einfach durch mein Dasein.


Im Team gab es auch jemanden, dem meine offene Art, meiner Fröhlichkeit offenbar zu

viel war. Seine Blicke wurden härter, je fröhlicher unser Miteinander im Team wurde.

Begegnungen mit mir vermied er, so gut es ging. Ich verstand lange nicht warum.

Früher hätte mich das verunsichert. Hier lernte ich etwas anderes:

Nicht jede Ablehnung bedeutet, dass man falsch ist.

Manche Menschen kämpfen mit ihrem eignen Inneren.




Am Ende dieser drei Monate war ich nicht "spektakulär" verändert.

Aber ich war stiller in meinem Inneren. Klarer.

Ich wusste nun:

Ich bin richtig –

Nicht trotz meines Alters, sondern mit ihm.

Mit meiner Herzlichkeit.

Mit meiner Fröhlichkeit.

Mit meiner Art, Menschen zu verbinden.



Ich war aufgebrochen, um einen Traum zu leben.

Und fand etwas viel Größeres:


Vertrauen -

In das Leben.

In was Größeres.

Und in mich selbst.


Am Ende wusste ich:


Gemeinsam können wir so viel bewirken.

Verbundenheit von Herzen überwindet fast alle Barrieren.

Wärme ist stärker als Kälte und Härte.

Liebe ist stärker als Angst und Hass.


Und für mich war das die größte Lektion dieser Reise.



Der letzte Tag kam schneller, als ich dachte.

Ich weinte schon am Morgen. Meine Augen waren geschwollen, mein Herz schwer.

Abschiede waren noch nie meine Stärke. Doch diesmal fühlte es sich besonders schlimm an. Ließ ich doch Menschen zurück, die mir in drei Monaten nähergekommen waren, als manch andere in Jahren. Ich ließ eine Arbeit zurück, die Sinn hatte und machte. Begegnungen, die Tiefe hatten.

Ich verabschiedete mich vom Team, von Marie, von den Kindern und Familien.

Ich wusste, dass ich die meisten von ihnen nie wiedersehen würde.

Ich verabschiedete mich von den Delfinen, vom Meer.

Von diesem besonderen Leben.



Zu Hause wartete mein Leben, mein Mann, meine Familie – und ich freute mich auf sie.

Und zugleich fürchtete ich mich vor der Normalität. Ich hatte Angst.

Angst vor belanglosen Gesprächen.

Vor dem Jammern über Dinge, die mir plötzlich so unwichtig erschienen.

Ich hatte andere Schicksale gesehen. Andere Kämpfe.

Kein Klagen dafür so viel Würde.


Ich brauchte Zeit. Mehr, als ich erwartet hatte, bis ich wieder ganz im Alltag ankam.

Bis ich verstand, dass auch zuhause – im scheinbaren Alltag – Menschlichkeit wohnt.

Nicht, weil mein Zuhause falsch war – sondern weil ich mich verändert habe, mein Herz

größer geworden war.


Einige Verbindungen sind geblieben. Mit Marie. Mit einer Kollegin. Mit einzelnen Familien. Zarte Fäden, die mich noch immer an diesen Ort, diese besondere Zeit erinnern.

                                                                                                                                                                           


Und wenn ich heute an Marmaris denke, weiß ich:


Liebe ist stärker als Angst und Negativität.

Und -

Was ich dort erlebt und gefunden habe, kann mir niemand mehr nehmen.



Fazit:


Ich bin aufgebrochen, um Delfine zu erleben.

Gefunden habe ich so viele “Herzensgeschenke” und mich selbst.


Diese Reise ist nicht zu Ende.

Sie lebt in mir weiter.

Denn sie hat mein Herz berührt.

Und mein Leben verändert.




Vielleicht kannst du aus dieser Geschichte etwas ganz Eigenes für dich mitnehmen.


Ich wünsche dir,

dass du den Mut hast zu träumen,

an dich und deine Träume glaubst

und deine Träume wahr werden.


Danke, dass du mir zugehört hast.




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Isabella Falbesoner

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