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Es braucht nicht viel, um glücklich zu sein

21. Juli
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 21. Juli





Vor ein paar Tagen traf ich bei meinem Morgenspaziergang wieder mal Sandra,

eine herzliche und fröhliche Mama, die mit ihren beiden kleinen Mädels auf dem Weg zur Kinderkrippe war. Meist grüßen wir uns nur so über die Straße, manchmal unterhalten wir uns kurz über die Kinder, wie sie wachsen und sich entwickeln, ... doch diese Begegnung war etwas anders ...

sie berührte mich und bewegte einiges in mir.


In der Nacht zuvor hatte es stark geregnet, und am Rand des Gehsteigs, wo wir uns trafen, hatte sich eine größere Pfütze gebildet. Genau darin standen die beiden Kleinen – begeistert, strahlend, einfach nur glücklich.

Als ich bei ihnen stehen blieb, zeigte mir die Dreijährige voll Stolz ihre neuen, geblümten Gummistiefelchen. Die jüngere Schwester deutete auf ihren hellgrünen Regenanzug und plapperte etwas von ihrer „Mazehos“, was wohl „Matschhose“ heißen sollte. Es war einfach entzückend zu beobachten, wie sehr sie sich über ihr buntes Outfit freuten.


Doch was dann folgte, war noch viel schöner.

Während ich mich mit der jungen Mama unterhielt, widmeten sich die beiden Mädchen voller Begeisterung der Pfütze. Die Ältere lief zunächst durch das Wasser, dann blieb sie am tiefsten Punkt der Pfütze stehen und begann, mit beiden Beinen so kräftig sie konnte auf den Boden zu stampfen, sodass das Wasser in alle Richtungen spritzte. Sogar ihre süße Brille bekam einige Tropfen ab, weil sich das Mädchen natürlich vorbeugen musste, um das Spritzen genau beobachten zu können.

Die Eineinhalbjährige versuchte ihrer Schwester nachzueifern. Das sah herrlich lustig aus, denn sie konnte natürlich nur mit einem Beinchen stampfen. Aber auch bei ihr spritzte das Wasser – und ihre Freude war mindestens genauso groß.


Die beiden waren so vertieft in ihr Spiel, dass sie sich weigerten weiterzugehen.

Schließlich erklärte die Mama, dass auf dem Weg bestimmt noch andere Pfützen auf sie warten würden. Erst diese Aussicht konnte die beiden zum Weitergehen bewegen.

Ich vermute, der Weg zur Kinderkrippe dauerte an diesem Morgen deutlich länger als sonst. 😉






Lächelnd setzte ich meinen Spaziergang fort. Meine Gedanken waren noch bei dieser liebevollen und gelassenen Mama und ihren zwei zufriedenen, glücklichen Kindern.


Und plötzlich erinnerte ich mich an ein Erlebnis aus meiner Jugend, das mich erneut zum Lächeln brachte.

Meine zwei besten Freundinnen und ich verbrachten damals drei Tage auf einer Alm in den Bergen und

halfen dort in der Küche mit. Am letzten Tag machten wir uns am Nachmittag auf den Weg zurück ins Tal.

Am Himmel zogen bereits dunklere Wolken auf, doch wir erreichten die Bergstation der Bahn noch trocken. Der Liftwart meinte sogar, der Regen könnte sich noch verziehen.

Doch -

er hatte sich geirrt.


Wir waren vielleicht fünf Minuten mit dem Lift unterwegs – damals gab's da nur einen Sessellift, natürlich ohne Überdachung – als es zu regnen begann. Zuerst nur leicht, doch schon bald schüttete es wie aus Eimern.

Es war kein Gewitter und somit ungefährlich. Es war einfach nur ein Regen, aber strömenden Regen.

Innerhalb kürzester Zeit waren wir bis auf die Haut durchnässt.

Und - es war herrlich.


Wir konnten nur noch lachen. Die Haare, die Schuhe, die Kleidung – nirgendwo gab es ein trockenes Fleckchen.

Als wir bei der Talstation ankamen, sahen wir aus wie drei gebadete Mäuse.

Und es war uns vollkommen egal. Im Gegenteil. Wir konnten an der Situation nichts ändern, und genau deshalb ließen wir los. Plötzlich spielte es keine Rolle mehr, wie wir aussahen oder

was andere von uns denken könnten.

Wir fühlten uns wie Kinder – frei, leicht und unbeschwert.

Auf dem Weg zur Bushaltestelle liefen wir, genau wie die beiden kleinen Mädchen viele Jahre später, durch jede Pfütze. Wir gingen nicht auf dem Gehsteig, sondern mitten durch die kleinen Bächlein am Straßenrand.

Wir sangen – natürlich auch „I'm singing in the rain“ – und tanzten dabei über die Straße.

Wir fühlten uns so frei, so leicht und einfach glücklich.


Einige Menschen sahen uns etwas verwundert an. Vielleicht dachten sie, wir hätten Alkohol getrunken.

Die meisten mussten jedoch lachen. Ob über uns oder mit uns, spielte keine Rolle.

Wir waren so fröhlich – und wir steckten damit viele Menschen an.

Sogar der Buschauffeur begrüßte uns herzlich. Er hatte keinerlei Einwände gegen unsere tropfnassen Kleidung. Im Gegenteil – es schien fast, als würde er sich mit uns freuen.


Es war ein herrlich-abwechslungsreicher Tag, eine wunderschöne Erfahrung.

Und wir waren einfach nur happy.


Diese beiden Erlebnisse zeigen mir, wie wenig es manchmal braucht, um glücklich zu sein.


Und sie erinnern mich daran, dass Unbeschwertheit nicht nur Kindern vorbehalten ist.

Auch als Jugendliche oder Erwachsene dürfen wir ab und zu „kindisch“ sein, Pfützen lieben, im Regen tanzen und das Leben nicht immer so ernst nehmen.


Besonders berührt mich heute, dass solche Augenblicke zu Geschenken fürs Leben werden können.

Damals dauerte dieses Abenteuer vielleicht nur drei Stunden. Und doch kann ich dieses Lachen, diese Fröhlichkeit und dieses Gefühl von Freiheit heute noch spüren – fast fünfzig Jahre später.


Manche Momente vergehen.


Und manche bleiben für immer.

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Isabella Falbesoner

6465 Nassereith

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