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Geteilte Freude ist doppelte Freude

30. Aug.
5 Min. Lesezeit


Begegnungen und Erlebnisse, die bewegen



Heute erzähle ich euch von zwei Erlebnissen, die mich sehr berührt haben – und zwar im fröhlichsten Sinn. 😊





Eine Bergtour und ganz viele Begegnungen



Vor ungefähr fünf Jahren besuchte mich meine Freundin Annette aus Deutschland. Sie liebt die Berge über alles – allerdings hatte sie bis dahin noch keinen einzigen bestiegen. Das wollten wir ändern.

Gemeinsam planten wir eine Tour, die für uns beide wohl ziemlich herausfordernd werden würde. Annette hatte null Bergerfahrung und ich war damals nicht wirklich fit. Aber wir waren voll motiviert und freuten uns riesig auf diesen Tag.






Um 7 Uhr früh starteten wir auf 1.550 Metern Seehöhe. Das Wetter war herrlich und wir wanderten voller Begeisterung los. Zu Beginn war der Weg noch breit und mit Gras bewachsen. Wir zwei hatten uns natürlich einiges zu erzählen.

Allmählich wurde der Weg schmäler, bis wir schließlich auf einem gut begangenen Steig mitten durch eine große Geröllhalde nur noch hintereinander gehen konnten.

Wir entdeckten Gemsen, die gar nicht weit vom Steig entfernt nach Futter suchten, und freuten uns über die wunderschöne Natur. Zwei-, dreimal wurden wir von Wanderern überholt, die wohl etwas fitter waren 😉 als wir zwei. Dabei kam es immer wieder zu netten, kurzen Gesprächen.


Etwas unterhalb der Scharte, die wir überschreiten wollten, trafen wir auf eine mehrköpfige Gruppe. Obwohl wir einander nicht kannten, kamen wir sofort in eine herzliche Unterhaltung.

Sie erzählten uns, dass sie auf einer mehrtägigen Hüttentour von Bayern nach Südtirol unterwegs waren. Die beiden „Schlusslichter“ der Gruppe schienen allerdings schon ziemlich müde zu sein.

Doch während wir uns so fröhlich unterhielten und sie unsere Begeisterung für ihre Tour spürten, schienen auch sie plötzlich wieder Energie zum Weiterwandern zu bekommen. Die Luft – und damit wohl auch die Freude – kehrte zurück.

Es war wunderschön zu beobachten, was dieser kleine „Austausch an Freude“ bei den müden Kämpfern bewirkte. Und auch wir spürten, wie gut uns diese herzliche Begegnung tat.


Überhaupt fühlten Annette und ich uns plötzlich viel fitter als noch kurz zuvor. Es war eigenartig: Wir waren einfach nur voller Freude und Begeisterung. Und diese Freude strahlten wir wohl auch aus.

Denn alle Menschen, die uns im Laufe unserer Tour begegneten, erwiderten unsere Grüße herzlich. Viele blieben sogar stehen, wir unterhielten uns fröhlich miteinander und lachten an diesem Tag sooo viel.

Da gab es zum Beispiel eine Situation an einem wunderschönen, glasklaren, türkisfarbenen Bergsee.

Wir zwei waren ziemlich durchgeschwitzt. Am See standen zwei Männer, die beinahe froren. Sie erzählten uns freudestrahlend, dass sie eine Abkühlung im See gesucht hatten – und diese Abkühlung wohl seeeehr „erfolgreich“ gewesen war. 😅

Ein lustiges Bild: Wir zwei mit hochroten Köpfen, die Herren mit fast blauen Lippen – und alle vier einfach nur happy über diesen Moment und das Erlebte.


Irgendwann fragte mich Annette:

„Sag mal, Isabella, woher kennst du denn all die Leute?“

Da musste ich lachen.


Denn ich kannte niemanden. Es waren alles völlig unbekannte Menschen und trotzdem waren die Begegnungen so herzlich und fröhlich, als würden wir uns schon länger kennen.

Man sagt ja, in den Bergen fällt das Miteinander leichter. Das wird zu einem großen Teil sicher stimmen. Schließlich treffen dort Menschen aufeinander, die ähnliche Interessen haben und die Freude an der Natur und am Wandern teilen.


Doch ich glaube, dass noch etwas dazukommt.

Ich glaube, unsere Begeisterung konnte andere Menschen ein Stück weit „abholen und mitnehmen“.

Durch unsere Freude begegneten wir den Menschen offen, grüßten sie, begannen ein freundliches Gespräch – und auf diese Offenheit steigen erstaunlich viele Menschen ein.


Jedenfalls war es eine wundervolle Tour in einer einzigartigen Bergwelt, mit tollen Begegnungen und Erlebnissen.


Anscheinend „schwebten“ wir mit unserer Begeisterung acht Stunden über diese wirklich herausfordernde Strecke. Denn entgegen aller Erwartungen hatten wir am nächsten Tag – und auch später – keinen Muskelkater.


Ob sich da unser Körper vielleicht gedacht hat: Die Lachmuskeln haben heute schon genug zu tun? 😅





Und dann kam das Fliegen …



In meiner zweiten Geschichte erzähle ich euch von meinem Paragleiter-Tandemflug.


Nie hätte ich daran gedacht, einmal mit einem Paragleiter in die Luft zu gehen. Ich liebe das Fliegen – aber in einem großen Flugzeug. Kein kleines Flugzeug, kein Hubschrauber und natürlich schon gar kein Paragleiter.

Doch wie es der „Zufall“ so will: Es kam anders.





Bei einem Sonntagsspaziergang traf ich zwei Bekannte, die ihre Schirme auf einer Wiese auf einer Anhöhe ausgebreitet hatten und mich spontan zu einem kurzen Flug einluden.


Ich lehnte natürlich lachend und dankend ab.

Später „bereute“ ich es fast.

Warum konnte ich nicht auch einmal spontan sein und über meinen Schatten springen?

Es hätte doch eine tolle Erfahrung sein können.

Doch – vorbei ist vorbei.


Einen Monat später begegnete mir Niki wieder und … wir vereinbarten tatsächlich, am darauffolgenden Wochenende gemeinsam mit meiner Freundin in die Lüfte zu gehen.

Ich weiß noch heute, wie verwundert Annette und auch ich über mich und meinen plötzlichen Mut waren.


Und dann kam dieser Sonntag.

In meiner Aufregung vergaß ich wohl, dass ich eigentlich Angst hatte. 😅

Ich weiß, das klingt eigenartig. Doch ich war einfach von der Situation, von meiner eigenen „Spontanität“ und von allem so außer mir, dass ich wirklich keinen Gedanken an Angst verschwendete.

Kein „Das kann ich nicht“.

Kein „Aber …“.

Kein „Du bist zu alt“.

Nichts.


Ich freute mich einfach nur.

Und zwar seeeehr.


An der Kassa der Liftstation erzählte ich der Kassiererin strahlend wie ein kleines Kind 🤭, dass wir heute fliegen würden.

Sie sah mich zunächst etwas überrascht an (ob es mein Alter war oder dass ich ihr das erzählen wollte, weiß ich nicht so genau ...) Doch als sie meine Begeisterung sah, begann sie zu lachen und freute sich offensichtlich mit mir und mit uns.

Auch in der Gondel lachten Anne und ich um die Wette – und einige der anderen Passagiere lachten einfach mit.


Dann kam der Flug.

Es war ein tolles, wundervolles Erlebnis.

Dieses Gefühl von Fliegen. Von Freiheit. Vom Himmel, der plötzlich so viel näher ist …

Es war wirklich etwas ganz Besonderes.


Doch als wir wieder am Boden angekommen waren, war mein erster Weg zurück zur Kassa.

Ich wollte der Dame einfach nur sagen, wieee schön es gewesen war.

Und sie freute sich tatsächlich über meinen „Besuch“.

Darüber, dass ich meine Freude mit ihr teilen wollte.

Sie erzählte ihren Kolleginnen davon, dass wir heute unseren ersten Flug gemacht hatten. Diese mussten über meine Begeisterung lachen – und die Kassiererin überlegte sogar, ob sie es vielleicht doch auch einmal selbst probieren sollte.


Wenn ich heute an diesen Sonntag zurückdenke, berührt mich am meisten dieses Weitergeben meiner Freude.

Der Flug selbst war ganz bestimmt ein besonderes Erlebnis.

Doch noch bewegender war und ist für mich dieses Gefühl der Vorfreude, der Freude – und all das mit anderen Menschen teilen zu können.

Mit meiner Freundin.

Mit den Menschen in der Gondel.

Mit den Wanderern am Berg.

Mit der Dame an der Kassa und ihren Kolleginnen.


Mit völlig fremden Menschen, die für ein paar Minuten Teil meines Erlebnisses wurden –

und deren Freude wiederum zu einem Teil meiner wurde.




---




Vielleicht ist es genau das, was Freude so besonders macht:


Sie wird nicht weniger, wenn wir sie teilen.

Ganz im Gegenteil.


Geteilte Freude ist doppelte Freude.

Vielleicht sogar dreifache.

Oder zehnfache.


Denn manchmal reicht ein Lächeln, ein begeistertes Erzählen, ein herzliches „Schau, wie schön!“ oder einfach nur unsere eigene Freude, um einen anderen Menschen für einen Augenblick mitzunehmen.


Und vielleicht wissen wir manchmal gar nicht, was wir damit in einem anderen Menschen auslösen.

Vielleicht lenken wir ihn grad von Problemen/Sorgen ab.

Vielleicht schenken wir jemandem einen kleinen Glücksmoment.

Vielleicht geben wir jemandem neue Energie.

Vielleicht erinnern wir jemanden daran, dass das Leben auch leicht, fröhlich und überraschend sein darf.


Und vielleicht kommt genau diese Freude irgendwann – auf einem ganz anderen Weg – wieder zu uns zurück.


Freude ist eines der wenigen Dinge, die sich vermehren, wenn man sie verschenkt.


Und deshalb glaube ich heute noch ein bisschen mehr daran:


Geteilte Freude ist nicht nur doppelte Freude.

Sie kann sich vervielfachen – wenn wir sie nur weitergeben. 💛







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Isabella Falbesoner

6465 Nassereith

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